Home
Musik & History
my personal seestadl history
my seestadl top ten
Bilder vom Seestadl
Tops & Flops
Kontakt
Gästebuch
 


(Alle Rechte an den Texten beim Verfasser!)

...sang Ian Dury in den Siebzigern - und hat damit den Zeitgeist und die Atmosphäre im Seestadl wohl so schlecht nicht getroffen. Ich möchte mich hier aber nur über die Musik, den Rock auslassen.

Dass die Musik so war wie sie war lag in erster Linie am DJ. Er war zwar nicht der einzige, der im Stadl auflegte, aber mit Abstand der wichtigste:der Krammer Luggi aus Bergen. Diese Mischung aus Rock, Hardrock, Soul, Reggae, Pop und auch sanften Bluestönen war weithin einzigartig. Sogar (oder leider) der Disco-Sound hielt Mitte der 70er Jahre (gemäßigten) Einzug: In Zaire, Rock your baby, Kung fu fighting... das soll's aber auch schon gewesen sein.

Wenn heutzutage Seestadlparties gefeiert werden, wird man der Musik von damals nur teilweise gerecht: Die leisen Töne fehlen in der Regel komplett; um Fetenstimmung zu erzeugen werden hauptsächlich die Kracher gespielt, von denen es ja auch genügend gab und gibt. So weit ist das schon okay, nur kann dabei kein echtes Seestadlfeeling aufkommen (was natürlich auch am fehlenden Ambiente liegt). Trotzdem möcht ich´s mir nicht nehmen lassen, einige der Songs zu erwähnen, von denen die meisten jüngeren Fans gar nicht glauben, dass sie jemals im Seestadl gelaufen sind (ganz abgesehen davon, dass sie sie zum Teil gar nicht kennen werden):


In den Anfangsjahren und Anfang der 70-er Jahre liefen zum Beispiel:  Mendocino - Yellow River - In the Summertime - Song of Joy - Nights in white satin - Lady in black - In the ghetto - Popcorn - Je táime - ... Natürlich hätte man auf einige dieser Songs durchaus verzichten können (aus heutiger Sicht), aber am Anfang war`s ja eben noch ein Beatschuppen...

Kleine Randnotiz: Wenn die Neugierigen vom Tanzabend im Kurhaus mal zum Langhaarigen-Schauen rüber kamen, wurde auch mal ein Walzer aufgelegt!

Womit wir beim Tanzen wären...

Ganz abgesehen davon, dass man zu jener Zeit noch "hetero" tanzte, also Männlein mit Weiblein bzw. umgekehrt (auch damals gab's schon Ausnahmen), war es durchaus noch üblich, zum Tanzen aufzufordern. Kostprobe gefällig?

"Darf ich bitten?" (ein echter Knaller, tanzschulerprobt!)

"Tanz ma?" (relativ cool, selbstbewusst)

"Mogst danzn?"  (etwas unsicher, für die Urlauberinnen, die es anfangs der 70 er Jahre noch zuhauf nach Waging zog, nicht immer auf Anhieb verständlich...)

In den Anfangsjahren war die Tanzbegeisterung unglaublich groß. Den stärksten Run auf die Tanzfläche lösten schon bei den ersten Tönen stets 2 Songs aus: "Buddy Joe" von Golden Earring und "Long before I was born" von Savage Rose. Im Nu war die Tanzfläche voll...
Später erzielten auch "Faith Healer" oder "Gamma Ray" ähnliche Wirkung, nur um ein paar Beispiele zu nennen.

Eine Tanzrunde im Seestadl lief nach einem bestimmten Muster ab: Nachdem der Abend durch den "Bongo-Rock" (ein Song, der wohl nirgends auf der westlichen Welt so bekannt ist wie in Waging!) eröffnet war und sich die ersten Paare auf die Tanzfläche wagten, gehörten die nächsten 45 - 60 Minuten den harten Tönen: Stones, Doors, Titanic, Robin Trower, Uriah Heep...Dann folgte eine langsame Runde, die wir "Blues" nannten, bestehend aus Songs, die natürlich kein Blues, sondern echte Schleicher waren, um richtig in den Clinch zu kommen. (Nights in white satin, Heart of gold etc.).Der Übergang von der harten Welle zu den sanften Tönen war wohl der spannendste Moment des Abends: Würde die Tanzpartnerin mitmachen...?

Diesem Schema folgten weitere Runden bis zum Ende des Abends - und die letzten Lieder wurden ebenso Kult wie der Bongo - Rock: "Wigwam" von Bob Dylan und "Satisfaction" von "Bubblerock is here to stay."

Der Übersong - vom DJ oft als die heimliche Hymne des Seestadls bezeichnet, war aber "Don't bogart me" von "Fraternity of man."(Easy Rider-Soundtrack)

Die Musikauswahl war weit und breit einzigartig und machte  - zusammen mit seinem Drogenimage - den Stadl weit über die Region hinaus bekannt. Du konntest dir auch einen Song wünschen, der auch meist irgendwann "wenn's passt" gespielt wurde.
Die Plattenauflegestation hatte in den ersten Jahren ihren Platz in der Mitte der linken Längsseite, vom Eingang an der Giebelseite aus gesehen. Später wanderte sie auf die gegenüberliegende Seite, bevor sie nach Verlegung des Eingangs ihren Platz an der inzwischen zugemauerten Giebelseite fand. Links und rechts davon ging man aufs Klo.


In den heißen Anfangsjahren war der Seestadl zur Urlaubszeit täglich geöffnet (Montag Ruhetag). Und jeden Abend war er brechend voll! Das führte oft dazu, dass die Musik ausgesetzt wurde, bis die Gänge wieder einigermaßen frei waren. Genau genommen ein Ding der Unmöglichkeit. Einziger Ausweg zum Luftschnappen: Raus aus dem Haus und draußen bei der Kegelbahn billigeres Bier trinken oder selbstmitgebrachten Lambrusco (ächz, stöhn...).

Im Laufe der Jahre änderten sich zwar die Tanzgewohnheiten und das Publikum (die Urlauber blieben aus), aber die Musik blieb stark und wurde  durch neuere Bands in der zweiten Hälfte der 70 er Jahre ergänzt (z.B. Dire Straits).

Nach dem Seestadl fuhr man auch damals schon in die Gifthütt`n oder zum "Hafei" (Cafe Oswald), und ab 1974 alternativ auch ins "Happy Day" (heute Bahnhofs-Pub), was für mich mehr und mehr Bedeutung gewann...(nur für Insider nachvollziehbar).

Cafe Hafenmair, später Oswald.

Im Februar 2005 starb Georg Oswald. Schorsch, für deine Geduld mit uns jungen Leuten danken wir dir!

Live -Musik im "Happy Day" mit Sepp Kaspar,Sigi Zerrath, Wolfgang Hollinger, Harald Pauli,1974

Ein einziges Mal war auch das "Happy Day" gesteckt voll: Als an einem Samstagabend aus dem Seestadl die Musikanlage gestohlen worden war, pilgerte die gesamte Seestadl - Gemeinde dorthin...  


Das Ende des Seestadls

kam völlig überraschend und unangekündigt und auch ein bisschen spektakulär im April 1982. (Quellen dazu im Gästebuch nachzulesen S.8 u. 10)


Was kam danach?

Nachdem der Seestadl endgültig dicht gemacht hatte, bin ich dem ehemaligen Happy Day, das nach vielen Pächterwechseln inzwischen zum recht gemütlichen Bahnhofs - Pub (auch "Pilsei" genannt) mutierte, auch jetzt noch "eng verbunden."

Im Foto: 1.Woodstock-Revival mit DJ Luggi und der Purple Haze Experience featuring Tom Kraller. Jimi Hendrix-Cover der besten Art! Nov 2007 im Bahnhof.

Am 19.12.2009, genauer gesagt am 20.12.2009 gegen 5:30 Uhr endete, nach einer Abschiedsparty, die Ära der Pilsschänke mit unserer Wirtin Uli. Ein Nachfolger ist derzeit nicht in Sicht.

Inzwischen (2011) wurde das Lokal als "Gleis 7" neu eröffnet.


Nachfolger des Seestadls wurde 1984 am Kurhausgelände der ebenfalls sehr erfolgreiche "Almkaser", den ich aber nur noch sporadisch aufsuchte. Zitat aus dem Gästebuch: Er wurde seinem Namen voll gerecht!       

Ehemalige beim Treffen in Prien 2005: rechts DJ Krammer, links Rudi aus Reichenhall

  Last but not least, und vor allem witzig: Wir saßen in geselliger Runde anfangs der 80 er Jahre im Bahnhofs - Pub, als wir erfuhren, dass just an diesem Tag eine Demonstration zur Erhaltung des Seestadls durch Waging, am Haus von Bürgermeister Heigermoser vorbei, stattgefunden habe oder stattfinden solle - hat aber nichts geholfen...!(siehe Gästebuch S. 10)

Aber schee war's!!!





 

 
 Top