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(Alle Rechte beim Verfasser)

Sommer 1973 :  vorher...

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Bei uns in Waging ist der Seestadl immer noch ein Begriff, um nicht zu sagen eine Legende, zumindest aber Kult!

Wir schreiben das Jahr 1968. In Deutschland regiert die Große Koalition unter Kanzler Kiesinger. Prager Frühling und Studentenunruhen bestimmen die Schlagzeilen. In Form dieses Käfers mit der Aufschrift im hinteren Seitenfenster: "Treibt Bonn den Notstand aus!" kommt die Bundespolitik in die Provinz (Gaden bei Waging). Politik ist zu dieser Zeit noch nicht so meine große Leidenschaft, eher schon die aufkommende Rockmusik als Nachfolger des Beat. Anfangs hörten wir ja wohl alle die Ö3 - Hitparade, die für jene Zeit so was wie das Maß der Dinge war. Dass es auch noch andere, aufregendere Töne gab, wurde mir erst im "Seestadl" klar...

Was war der Seestadl?       

Initiator, Erbauer, Besitzer und Betreiber des Seestadls war Sebastian Schuhbeck, der am 15. 10. 2007 im Alter von 94 Jahren verstarb. 


In den Anfangsjahren (1968+) nannte ihn der Volksmund einfach nur Beatschuppen oder Stadl. Im Eröffnungsjahr waren die Haare noch kurz, die jungen Männer adrett, die Mädchen immerhin trugen schon Mini -  und die Rockmusik fand eigentlich noch nicht statt bei uns in der Provinz. Dies sollte sich innerhalb der nächsten Jahre grundlegend ändern, der Seestadl änderte seinen Charakter. Am Sonntagnachmittag ab 15.00 Uhr durften wir Teenies unter 18 in die Welt der neuen Musik hineinschnuppern (ein unglaubliches Erlebnis im 68er Jahr für mich, diese Musik und die tollen Mädchen...), der Abend war den Älteren vorbehalten. Jedenfalls offiziell. Mehr oder weniger regelmäßig kontrollierte die Polizei, ob sich nicht zu junges Gemüse in den ehrwürdigen Hallen aufhielt. Hei, war das ein Spaß für manche Zeitgenossen, dem Ordnungshüter die Kappe vom Kopf zu reißen. Die Mehrheit sah das eher nicht als den großen Knaller an.


Jedenfalls hatte ich mächtigen Bammel, als ich das erste Mal 1969 um 21:00 Uhr im zarten Alter von immerhin schon 17 1/2 Jahren  den Stadl zur Erwachsenenzeit betrat! Damals ahnte ich noch nicht, dass ich praktisch meine ganze Jugend hier verbringen würde... zumindest in den Abend- und Nachtstunden! Übrigens: Damals war wirklich um 01:00 Uhr Schluss... heute undenkbar! Na ja, mit Mehrwertsteuer, sprich Zugaben (siehe auch Musik) wurd`s dann meist schon etwas später, aber maximal um 02:00 Uhr war ultimo!


Dafür sorgte vor allem Maria, die Chefin des "Servicebereichs", wenn es sein musste unter Zuhilfenahme des Gummiknüppels. Allerdings nie, um die Gäste nach Hause zu schicken, als vielmehr dazu, sich prügelndes Publikum nach draußen zu befördern. Was sie ebenfalls nicht verputzen konnte: Rumsitzen auf den Tischen und Rumschmusen ("Mir san doch koa Puff!") Aber sonst war sie wirklich in Ordnung - man könnte sagen, die "Muter der Kompanie"! Die Maria ist vor kurzem gestorben - und mit ihr sicher auch ein Stück "Seestadl." Meine Lieblingsbedienung aber war die Erna, die immer darauf schaute, dass wir alle nicht zu lange auf unsere "Steiner-Granaten" (0,3l Pils) warten mussten. Mit ihr habe ich mich oft auch über Privates unterhalten (wegen der Lautstärke eher geschrien).

Fast-Original einer "Steiner - Granate" mit persönlichem Identifizierungscode im Etikett... anfangs gab es noch den Hals mit Alu-Manschette.


Nebenbei: Am Beginn meiner Seestadlzeit meine ich 1,40 DM fürs Bier bezahlt zu haben, gegen Ende waren es gefühlte 4,50 DM (Wer weiß es genau?).

My special friends...

Mein erster Co - Seestadler war der Reiter Franz (Mecki) aus Buchwinkel, der mich eigentlich in den Stadl "verzog". Am Anfang noch mit Hercules 50 ccm und Honda Viertaktmotor unterwegs, einmal auch mit dem Goggo (hier ein ähnliches Modell) seines Vaters... Merci, Franz!

Mein wichtigster Begleiter und Freund über all die Jahre aber war der Neunteufel Toni, ein feiner Kerl, mit dem ich mich über Gott und die Welt unterhalten konnte, aber auch über jeden Blödsinn - und von dem ich gnadenlos Zigaretten schnorrte. Ohne je zu murren nahm er das hin! Nicht nur dafür... Danke, Toni!!!

Musikalisch auf einer Linie lag stets, obwohl einige Jahre jünger, mein "kleiner" Bruder Hannes, der mich auch auf vielen meiner Jethro Tull - Konzertfahrten nach München begleitete.  Super, Hans! 

(tz-kritik)


Thanks to... Chris, Franz, Maria, Paul, Erna bzw. Thomas und Ingrid für die Fotos!


Wenn Ihr selber Erinnerungen/Lieblingssongs an den/des Seestadl/s "loswerden" möchtet - das Gästebuch wartet sehnsüchtig auf Eure Geschichten!

Viel Spaß!

Luggi


(Alle Rechte an den Texten beim Verfasser!)


Impressum:

Ludwig Feil  (Verfasser aller Texte)

Postkellerberg 4

83329 Waging



 
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